Barbier

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Ein Barbier in Kaxgar, China

Barbier (von frz. la barbe [baʀb] = Bart) ist ein Handwerksberuf. Im Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit wurden im Bereich der Körperpflege, Wundheilung und Krankenpflege tätige Personen wie Bartscherer, Badeknechte und Krankenpfleger als Barbiere oder Balbierer bezeichnet. Wie der Bader pflegte der Barbier vorwiegend die Behaarung von Männern. Ihm oblagen auch Zahnextraktionen, Aderlasse und Klistiere.

Geschichte

Die Barbiere haben sich vermutlich aus den Baderknechten entwickelt und auf einige bestimmte Aufgaben der Bader spezialisiert. Die erste Erwähnung der Barbiere findet sich 1397 in einem Amtsbrief in Köln. Barbierzünfte sind in den Hansestädten ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu finden: 1457 in Danzig, 1480 in Lübeck, 1486 in Hamburg.


Barbiere wurden auch Trockenscherer genannt, da sie, anders als die Bader, kein Warmbad anboten. Da in einem Warmbad männliche wie auch weibliche Menschen vollkommen ohne Kleidung waren, konnten Krankheiten somit sehr leicht übertragen werden, weswegen Bader in den Augen der Barbiere weniger angesehen waren. Neben Haare schneiden und rasieren behandelten sie auch Wunden, Knochenbrüche, zogen Zähne, machten Aderlass oder stellten Salben her.

Mit Entwicklung und Professionalisierung der Ärzte im frühen 19. Jahrhundert suchten sich die Barbiere weiter zu spezialisieren. Mit den Perücken entstand der Zweig der Perückenmacher, der mit Ludwig XIII seine Hochsaison bekam, da dieser frühzeitig kahl wurde, aber auf eine volle Haarpracht trotz allem nicht verzichten wollte. Mit der Erfindung des Rasierhobels gegen Ende des 19. Jahrhunderts gingen viele Männer dazu über, sich selbst zu Hause zu rasieren, wodurch die Rasur beim Barbier oder Herrenfriseur zur Ausnahme geworden ist. Barbiere und Bader gab es in Deutschland bis etwa 1930 als staatlich geprüfter Bader.

Soziale Stellung

Im Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit galt der Beruf des Barbiers als „ehrlos“ und damit als unehrlicher Beruf.[1] In den städtischen Ständegesellschaften des Mittelalters wurden Kinder aus Barbierfamilien daher meist von der Aufnahme in andere Zünfte ausgeschlossen. Erst Mitte des 16. Jahrhunderts erhielten sie durch Reichsgesetze der Jahre 1548 und 1577 die Möglichkeit, ein anderes Handwerk zu erlernen.[2]

Zeugnisse


Literatur

  • Reinhold Reith: Lexikon des alten Handwerks: Bader und Barbiere. Vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert, 2. Auflage, Beck, München 1991, ISBN 3-406-34470-4.
  • Gertrud Wagner: Das Gewerbe der Bader und Barbiere im deutschen Mittelalter. Zell i. W., Freiburg im Breisgau 1917 (zugleich phil. Dissertation, Freiburg i. B. 1918).
  • Gerhard Wulz, Thomas Ahnert [Red.], Peter Weidisch [Red.]: Der Schönheit verbunden: Geschichte und Geschichten rund um das Haar, rund um die Schönheits- und Körperpflege, rund um die Bader, Barbiere und Friseure. Imhof, Petersberg 2003. ISBN 3-935590-88-1 (Sonderpublikationen des Stadtarchivs Bad Kissingen Bd. 4: Ausstellung der Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen, Altes Rathaus, 11. April bis 20. Juli 2003).


Einzelnachweise

  1. Jost Schneider: Sozialgeschichte des Lesens: zur historischen Entwicklung und sozialen Differenzierung der literarischen Kommunikation in Deutschland. Walter de Gruyter, Berlin 2004, S. 154. ISBN 3-11-017816-8
  2. Deutsche Encyclopädie oder Allgemeines Real-Wörterbuch aller Künste und Wissenschaften. Band 18, Varrentrapp und Wenner, Frankfurt am Main 1794, S. 277




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