Geschichte der (Friseur-) Scheren

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Geschichte der (Friseur-) Scheren

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Wo und wann die Schere zuerst erfunden wurde, ist bis heute umstritten. Ausgangspunkt für die Entwicklung der Schere war vermutlich der Gebrauch paariger Messer. Dabei handelt es sich um zwei separate Klingen. Während eine Hand die unten liegende Klinge stützt, führt die andere mit der oben liegenden Klinge die Scherbewegung aus. Funde solcher paarigen Messer auf rheinisch-römischem Gebiet sind aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. belegt, reichen aber vermutlich viel weiter zurück.

Endgelenkschere

Eine Weiterentwicklung stellte die Endgelenkschere dar. Dabei handelt es sich um zwei Klingen, die am Ende mittels eines Bolzens ein Scharnier bildeten. In der Praxis sind sie eher umständlich zu bedienen, da die Klingen zum Schneiden aufeinander gedrückt und anschließend manuell auseinandergezogen werden müssen.

Bügelschere

Bügelschere aus Trabzon, Türkei, ca. 2. Jh. n. Chr.
Chinesische Bügelschere aus der Tang-Dynastie mit gekreuzten Halmen zur Erhöhung der Spannkraft

Gegenüber der Endgelenkschere stellen Bügelscheren eine deutliche Verbesserung dar, da sie mit einer Hand bedient werden können und sich aufgrund der Materialspannung von selbst öffnen.

Bügelscheren kamen erst mit der Verfügbarkeit schmiedbarer Messing- oder Eisenlegierungen im 1. Jahrtausend v. Chr. auf. Diese Metalle waren Voraussetzung für die Herstellung federnder Bügel. Da Bronze- oder Messingfedern schneller als solche aus Eisen ermüden, finden sich Bügelscheren aus diesen Metallen seltener. Eiserne Bügelscheren sind in Mitteleuropa seit der La-Tène-Zeit um ca. 500 v. Chr. belegt. Bronzene Modelle mit eisernen Klingen wurden in Pompeji gefunden.

Frühe keltische Modelle weisen eine U-förmige Feder auf. Um die Spannkraft zu erhöhen, ging man später dazu über, die Schenkel nahe der Bogenrundung zu kröpfen. So entstand eine omegaförmige Linienführung. Ebenfalls zur Erhöhung der Spannkraft entwickelte sich in China eine Bügelscherenform, bei der die Schenkel überkreuzt wurden.

Bis Anfang des 17. Jahrhunderts war die Bügelschere in Europa die häufigste Scherenform.

Gelenkschere

Die heute gebräuchliche Gelenkschere kam vermutlich um 300 v. Chr. auf. Da nur wenige frühe Fundstücke bekannt sind, bleibt eine genaue Datierung schwierig. In Al Mina an der östlichen Mittelmeerküste entdeckte Leonard Woolley das Fragment einer eisernen Gelenkschere, das er auf 430–315 v. Chr. datierte. Aufgrund der Form – insbesondere der gebogenen Halme – ist jedoch eine um mindestens 1000 Jahre spätere Datierung wahrscheinlicher. Verlässlich datierbare Funde stammen erst aus der Römerzeit. Neben Reliefdarstellungen sind einige wenige Fragmentfunde bekannt – unter anderem aus dem Legionslager Augsburg.

Bis über das Hochmittelalter hinaus blieben Gelenkscheren sporadische Ausnahmeerscheinungen. Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts änderte sich die Situation allmählich. Im Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung (zwischen 1425 und 1545 entstanden) sind in sechs von sieben Schneiderwerkstätten Gelenkscheren abgebildet, während alle anderen dargestellten Berufe noch mit Bügelscheren arbeiten. Auffällig sind die gedrungenen Formen dieser Scheren, ihre breiten Scherblätter sowie die aus dem Halm gebogenen und mal mehr, mal weniger geschlossenen Augen. Zeitgleich kamen – z. B. in Italien und England – Universalscheren mit längeren, schlanken Scherblättern auf. Hier traten erstmals auch ringförmig geschlossene Augen auf.

Ab dem 16. Jahrhundert finden sich zunehmend verzierte Scheren. Vor allem die Halme und Blätter wurden mit aufwendigen Mustern geprägt und geätzt. Spätestens ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die Augen meist geschlossen geschmiedet, dabei nicht immer rund, sondern zunehmend auch oval geformt. Im 17. Jahrhundert entwickelten sich zunehmend spezialisierte Scherentypen: lang- und schmalblättrige Papierscheren, breitblättrige Stoffscheren und spitz zulaufende Universalscheren.


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