Haar/Haare

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Ein Menschenhaar unter dem Mikroskop (Bildausschnitt: 0,6×0,4 Millimeter)
Schematischer Querschnitt durch die Haut mit Haarfollikel.

Haare (lat. pili, capillus, crinis, coma) sind lange Hornfäden. Sie bestehen im Wesentlichen aus Keratin. Haare in diesem Sinne kommen nur bei Säugetieren vor, die alle auf ihrer Haut zumindest teilweise Haare tragen. Die Schleimhäute sind immer unbehaart. Mit wenigen Ausnahmen (Handflächen, Fingerinnenseiten, Fußsohlen, Brustwarzen, Lippenrot) ist die gesamte äußere Haut des Menschen behaart.

Tierhaare/Fell


Die Behaarung ist die charakteristische Körperbedeckung aller Säugetierarten und wird meist als Fell oder Pelz bezeichnet (mit Haut: Balg). Bei einigen Arten oder in bestimmten Lebensabschnitten und Körperregionen werden jedoch kaum Haare gebildet. Man unterscheidet bei Tieren Fellhaare (Capilli, als Leit- und Grannenhaare), Borstenhaare (Setae), Wollhaare (Pili lanei) und Langhaare. Außerdem besitzen viele Säugetiere Vibrissen (Tasthaare). Daneben treten weitergebildete, verhornte Haare als Stacheln (z. B. beim Igel) auf.

Haararten und ihre Lage beim Menschen


Man kann drei Haarsorten unterscheiden:

  • Lanugohaar
  • Vellushaar
  • Terminalhaar

Zahlen für Haare beim Menschen


Verschiedene Haarformen
Wachstumsrate und Haardicke sowie die Anzahl der Haare sind genetische Faktoren, die bei jeder Person unterschiedlich sein können. Dennoch schwankt die Anzahl der Haare je nach Haarfarbe innerhalb bestimmter Bereiche. So haben Blonde durchschnittlich 150.000, Schwarzhaarige 110.000, Brünette 100.000 und Rothaarige 75.000 Haare.[1]
  • Anzahl der Kopfhaare: ca. 0–150.000
  • Haardichte: ca. 200 Haare/cm²
  • täglicher Kopfhaarverlust: ca. 60–100 Stück
  • Wachstumsrate: ca. 0,33 mm/Tag, mithin etwa 1 cm/Monat
  • Haardicke: 0,04 mm (Vellushaare) bis 0,12 mm (Terminalhaare)
  • Zugfestigkeit: ca. 200 N/mm²
  • Elastizitätsmodul: 3000 MPa
  • Lebensdauer der Haarwurzel: ca. 6–8 Jahre

Haare wachsen ständig. Dagegen beruht das scheinbare Wachstum der Barthaare bei kürzlich Verstorbenen auf der Schrumpfung der Haut durch Wasserverlust.

Haarformen


San-Frau mit typischem Pfefferkornhaar
Die Art der Haarausbildung (glatt, gewellt, gelockt) hängt maßgeblich von der Haarform, also dem Haarquerschnitt, ab. Haare von Ostasiaten haben einen runden Querschnitt, wodurch sie meist sehr glatt sind. Der europäische Typ weist zumeist einen runden bis ovalen Querschnitt auf, wodurch die Haare glatt sind oder zur Bildung von Locken neigen. Afrikaner haben dagegen Haare mit stark elliptischem Querschnitt. Darum bilden ihre Haare meist sehr starke, kleine Locken.

Eine besondere Haarform mit scheinbar spiralig zusammengedrehten Haarbüscheln, zwischen denen die Kopfhaut sichtbar ist, wird als Filfil oder „Pfefferkornhaar" bezeichnet. Sie kommt nahezu ausschließlich bei den Nachkommen der ältesten menschlichen Population vor[2], die nach Untersuchungen von Humangenetikern 100.000 Jahre lang von anderen Menschen isoliert war und die heute bei den Khoisan und den Mbuti-Pygmäen zu finden ist.[3]

Kunsthaar


In der menschlichen Kultur kommen Haaren oder Pelzen außerdem weitere Funktionen zu, wie in folgenden Produkten

  • künstliche Wimpern
  • Toupet, Perücke, künstlicher Zopf
  • Rauchwaren (Pelze und Felle)

Literatur


Naturwissenschaftliche Literatur

  • H. Zahn: Das Haar aus der Sicht des Chemikers. In: Chemie in unserer Zeit. 23. Jahrg. 1989, Nr. 5, S. 141
  • Constantin E. Orfanos (Hrsg.): Haar und Haarkrankheiten. Fischer, Stuttgart/ New York 1979, ISBN 3-437-30282-5.
  • Arthur R. Rook, Rodney P. R. Dawber: Haarkrankheiten. Diagnose und Therapie. Blackwell, Berlin 1995, ISBN 3-89412-102-5.
  • Robert Sauer: Asiatische und europäische Humanhaare – ethnische Unterschiede und ihre Relevanz für den Dauerwellprozeß. Dissertation. RWTH, Aachen 2001. (Volltext)
  • Hans Geyer: Haare. In: Salomon/Geyer/Gille (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. 2. erw. Auflage. Enke-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8304-1075-1, S. 637–640.

Sonstige Literatur

  • Stefanie Adomeit: Aspekte einer literarischen Obsession – das Haar als Fetisch-Motiv des 19. Jahrhunderts. Dissertation. Universität Freiburg im Breisgau, 2007. (Volltext)
  • Kim Bagus, Franz Josef Görtz (Hrsg.): Glatze, Zopf und Dauerwelle. Ein haariges Lesebuch. Reclam, Leipzig 1996, ISBN 3-379-01560-1.
  • Christian Janecke (Hrsg.): Haar Tragen. Eine Kulturwissenschaftliche Annäherung. Böhlau, Wien/Köln 2004, ISBN 3-412-19103-5.
  • Michel Odoul, Rémy Portrait: Was Haare verraten. Aurum, Braunschweig 2000, ISBN 3-591-08472-7. (psychologischer Ansatz)
  • Imke Barbara Peters: Es wächst auf Dir. Unterhaltsames, Kurioses, Amüsantes, Wissenswertes über Haare. Stam, Köln 1997, ISBN 3-8237-7438-7.
  • Ralph M. Trüb, Doris Lier: Hauptsache Haar. Das Haar im Spiegel von Medizin und Psychologie. Rüffer und Rub, Zürich 2002, ISBN 3-907625-13-7.

Einzelnachweise


  1. Haare - Das Innenleben. auf: Nettdoktor. Gesundheit. 20. April 2010.
  2. Duden - Das große Fremdwörterbuch: Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag 2013.
  3. Gary Stix: Wie hat sich die Menschheit ausgebreitet? In: Spektrum der Wissenschaft. Spektrumverlag, Heidelberg September 2009.


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