Zusammensetzung eines Shampoos/ Haarwaschmittels

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Zusammensetzung eines Shampoos/ Haarwaschmittels

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Ungefähre Zusammensetzung eines Shampoos

Obwohl es „nur“ dem Reinigungszweck dient, ist ein Shampoo ein komplex aufgebautes, auf eine bestimmte Gruppe von Käufern zugeschnittenes Produkt. Es besteht aus ca. 10 bis 20, in Einzelfällen bis zu 30 Rezepturbestandteilen, die ihre Funktion in sehr unterschiedlicher Konzentration erfüllen. Neben Wasser bilden in der Regel die Waschrohstoffe den Hauptbestandteil. Sie sind für die Reinigung, die wesentliche Produktleistung, verantwortlich. Daneben bilden die so genannten Hilfs- bzw. Wirkstoffe die zweite und dritte Gruppe.[1] In der Regel ist ein Shampoo aus folgenden Bestandteilen zusammengesetzt:

Wichtige Tenside im Shampoo


Das Haupttensid[1] ermöglicht die eigentliche Wirkung des Shampoos – die Reinigung des Haares. Tenside erhöhen die Löslichkeit von Schmutz- und Fettablagerungen im Haar in Wasser. Als waschaktive Substanzen (WAS) finden ausschließlich anionische, wie z. B. Alkylsulfate, Alkylethersulfate und amphotere Tenside Verwendung. Neben Wasser bilden die Tenside in der Regel den Hauptbestandteil des Shampoos.[1]

  • Alkylsulfate

Alkylsulfate waren die ersten synthetischen Shampoo-Tenside. Sie werden auch heute noch eingesetzt. Sie besitzen ein gutes Reinigungs- und Schaumbildungsvermögen. Ihre nachteiligen Eigenschaften, wie Empfindlichkeit gegen Wasserhärte, schlechte Kältelöslichkeit oder unvollkommene Hautverträglichkeit, können durch Mischung mit anderen Tensiden ausgeglichen werden.

  • Alkylethersulfate

Alkylethersulfate sind unempfindlich gegen Wasserhärte und auch hautverträglicher als Alkylsulfate. Häufig werden sie in Kombination mit Alkylethersulfaten, die aus zwei- oder dreifach ethoxyliertem Lauryl- und Myristylalkohol bestehen, eingesetzt.

  • Alkylethercarboxylate

Alkylethercarboxylate gehören zu den mildesten Tensiden. Ihr Schaumvermögen ist jedoch schlecht, daher werden sie in Kombination mit Alkylethersulfaten eingesetzt.

  • Eiweiß-Fettkondensate

Eiweiß-Fettkondensate haben sehr gute hautverträgliche und haarpflegende Eigenschaften, es wird jedoch mehr Konservierungsmittel benötigt.

  • Sulfobernsteinsäureester

Sulfobernsteinsäureester sind recht mild für die Haut und haben gut schäumende Wirkung.

  • Alkylpolyglykoside

Alkylpolyglycoside sind die einzigen nichtionischen Waschrohstoffe. Sie sind besser hautverträglich als alle ionischen Tenside und besitzen günstige Tensideigenschaften.

Cotenside

Ein Co-Tensid ergänzt die Effekte des Haupttensids. Durch den Einsatz von Cotensiden lässt sich die Konzentration des Haupttensides senken, wodurch die Gefahr von Überempfindlichkeiten beim Benutzer reduziert wird.

Filmbildner

Filmbildner, oft aus der Gruppe der Polyquaternium-Verbindungen, bilden auf der Haaroberfläche eine zusammenhängende Schicht. Durch den Kunststoff-ähnlichen Film soll das Haar geschützt und leichter kämmbar werden. Diese Substanzen bewirken, dass Shampoos auf Textilien kaum entfernbare Flecken hinterlassen können. Manche Shampoos enthalten auch Silikone als Filmbildner (in der Liste der Inhaltsstoffe oft an der Endung „-cone“ erkennbar).

Parfümöle & Farbstoffe

Diese Komponenten dienen nur der sensorischen Aufwertung des Produktes. Farb- und Duftstoffe sollen z. B. das Produkt für den Verbraucher attraktiver machen. Durch Kombination verschiedener Parfümöle sollen entweder in der Natur vorkommende Gerüche nachgeahmt oder neue Dufteffekte, sog. Phantasienoten, kreiert werden.[2]

Für den trübenden „Perlglanz“, der das einfallende Licht gut reflektiert, werden winzige Kristallplättchen aus Fettsäureestern (etwa wachsartiges Glyzerindistearat) und Fettsäurealkanolamiden eingesetzt.

Konservierungsmittel

Bedingt durch den hohen Wassergehalt müssen Shampoos gegen Verkeimungen geschützt werden. Dies ist die Aufgabe der Konservierungsmittel bzw. Biozide. Bei spezieller Zusammensetzung (z. B. hoher Tensidgehalt) kann gegebenenfalls auf Konservierung verzichtet werden.Obwohl mittlerweile mikrobiologisch vorgeprüfte Roh-, Hilfs- und Wirkstoffe verwendet werden, wird den Herstellern empfohlen, antimikrobiell wirksame Stoffe zuzusetzen, sodass eine Veränderung der Kosmetika während der Lagerung ausgeschlossen und die Mindesthaltbarkeit eingehalten werden kann.Das Landesamt für Umwelt empfiehlt dagegen im kompletten Widerspruch: "Dabei Produkte mit antimikrobiell wirksamen Substanzen meiden"[3]

Zur Konservierung werden Harnstoff-Kondensate, p-Hydroxybenzoesäureester (Parabene), Phenoxyethanol, Methyldibromoglutaronitril, Benzoesäure, Salicylsäure eingesetzt.[1]

Früher wurde oft auf Formaldehyd als Konservierungsmittel zurückgegriffen. Da es aufgrund seines hautreizenden Potentials als nicht unbedenklich gilt und es beim Verbraucher einen schlechten Ruf hat, wird immer häufiger darauf verzichtet. Es muss ab einer Konzentration von 0,05 % deklariert werden.[2]

Komplexbildner

Bei der Herstellung können Metallionen (Eisenionen) in das Shampoo gelangen. Um unerwünschte Reaktionen der Farbstoffe, Parfüme mit diesen Ionen zu verhindern, werden Komplexbildner (Ethylendiamintetraessigsäure, Nitrilotriessigsäure) zugegeben, die die Ionen binden.

Puffer

Gewährleisten die Stabilität des pH-Wertes der Formulierungen, um die Haut, das Haar und pH-empfindliche Komponenten zu schützen. Häufig werden Phosphat-, Lactatpuffer verwendet.

UV-Absorber

Damit die im Shampoo eventuell enthaltenen Farbstoffe nicht durch Licht zersetzt werden, kann eine Stabilisierung durch UV-Absorber, insbesondere im Rot- und Blaubereich erfolgen. Hierfür werden Lichtschutzfiltersubstanzen, wie z. B. Benzophenon- oder Campher-Derivate, eingesetzt.[1]

Spülung

Mit dem Ausdruck „Spülung“ bzw. „Conditioner“ (engl. Vorlage:Lang, Vorlage:Lang) bezeichnet man einen pflegenden Haarbalsam, der nach dem Auswaschen des Shampoos insbesondere auf die Haarlängen aufgetragen wird. Shampoo (das in aller Regel im alkalischen Bereich (pH-Wert > 7) liegt) öffnet die Haarschuppen zum Reinigen, während die anschließende Spülung sie durch ihren sauren pH-Wert (< 7) wieder verschließt und Fett zuführt. Eine Spülung soll die Kämmbarkeit, den Glanz und die Struktur der Haare verbessern.

Moderne Haarspülungen enthalten üblicherweise Feuchthaltemittel, Proteine, Säureregulatoren, Öle, Tenside, Schmierstoffe, Antistatika und Konservierungsmittel.

Quellen


  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Wilfried Umbach: Kosmetik – Entwicklung, Herstellung und Anwendung kosmetischer Mittel. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1988.
  2. 2,0 2,1 H. Aebi, E. Baumgartner, H.P. Fiedler, G. Ohloff: Kosmetika, Riechstoffe und Lebensmittelzusatzstoffe. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1978.
  3. Bayerisches Landesamt für Umwelt:Problematische Konservierungsmittel (Abschnitt:Wasch- und Reinigungsmittel)


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